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Denkmal und Energieeffizienz? Energetische Sanierung der Kunsthalle Rostock
von Maik Buttler | 13.07.2012
Kunsthalle Rostock
Als einziger Museumsneubau der DDR besitzt die Kunsthalle Rostock eine überregionale kulturhistorische Bedeutung einer abgeschlossenen Zeitperiode. Neben diesem Alleinstellungsmerkmal aber bezieht sich der Denkmal-Status auf die hohe räumlich-architektonische Qualität dieses Gebäudes als Vertreter der modernen Architektur der 1960er Jahre.

Das städtebaulich-architektonische Konzept der Kunsthalle zeichnet sich durch die Einmodellierung eines orthogonalen, kubischen Solitärs mit einer weißen, reliefartig strukturierten, und zumeist geschlossenen Schale in eine fließende Parklandschaft um einen See aus – ein Kontrast, der zwischen gebauter, geordneter Strenge und organischer Natur nicht größer sein kann, der zu jeder Jahreszeit Spannung und Polarität erzeugt.

Im Gegensatz zur äußeren Strenge der Gebäudeerscheinung, die sich in einer klaren Grundrissgeometrie weiterentwickelt, ist der architektonische Raum in diesem Gesamtkonzept ein verbindendes, durchziehendes Element, ein fließender Raum, der aus der Landschaft heraus durch eine transparente Glasfassade in den geschützten Innenraum übergeht, der sich in den ringförmig angelegten Raumfolgen über zwei Geschosse als Kontinuum entwickelt, offene Treppen durchströmt und durch eine weitere Glasfassade den nach oben geöffneten Innenhof einnimmt.

Diese atmende Offenheit der Innenräume hinter der abschirmenden Außenhülle lässt zeitlose, dienende und zugleich äußerst sensible und zurückhaltende Ausstellungsräume entstehen, die in ihrer Schlichtheit äußerst funktionell sind und nur das Kunstwerk hervortreten lassen.

Die Kunsthalle Rostock hat ihre Wurzeln und gleichzeitig auch Bedeutung in dem Ostseeraum, in Skandinavien und in Mecklenburg: Als ehemaliger Ausstellungsort der jährlich stattfindenden Ostsee-Biennalen, der Kunstschau des Baltikums, entsprang die Idee, die Architektur und auch das Ausstellungsprogramm dem Ostseeraum. So wurden über Jahrzehnte hinweg die Kunst der skandinavischen und baltischen Länder in der Ostsee-Biennale gezeigt, ein Kunstkonzept, welches den übergreifenden Kulturraum während dieser Zeit in den Mittelpunkt stellte über die politischen Raumstrukturen hinweg. Eine wichtige Ausstellung in der Kunsthalle Rostock neben den Biennalen in dieser übergreifenden Kultur des Baltikums war z.B. die große Ausstellung Wohnumwelt in Finnland 1979.

Als wir das Einzeldenkmal 2009 in einem ersten Bauabschnitt in den Teilbereichen Dach und Fassade energetisch sanieren sollten, war die Frage, wie ein Gebäude mit Kunststeinreliefs und Klinkerfassaden im Innen- und Außenbereich energetisch saniert werden kann, ohne dass diese wichtigen Texturen des Denkmals verloren gehen. Wir entwickelten auf Grundlage einer Gebäudestrukturanalyse eine völlig neue Idee für ein Raum- und Energiekonzept:
Das Gebäudemodell der Kunsthalle ist mit einem "Donut" über quadratischem Grundriss vergleichbar: Einem Kringel mit Loch, letzteres der zum Himmel geöffnete Innenhof für Skulpturen. Auch die Außenfassaden zum Innenhof sind mit Kunststeinreliefs und beidseitig mit Klinkerfassaden überzogen, so dass wärmetechnische Veränderungen der Fassaden stets den Verlust von originalen Oberflächen bedeutet hätte. Unsere energetischen Untersuchungen zeigten im Vergleich, dass das „Donut-Modell" energetisch sehr ungünstig ist, und dass wir durch eine leichte, transparente Überdachung des Innenhofes jedoch einen klimatisch geschlossenen Baukörper erreichen konnten, der als kompaktes Volumen energetisch optimal funktioniert und zudem die Innenhoffassaden jetzt als Innenfassaden unverändert belassen konnte. Das neue energetische Konzept konnte auf diese Weise schützend und nachhaltig den historischen Baukörper bewahren – und der bewitterte Innenhof für Skulpturen konnte nun mit der neuen leichten Glas-Überdachung witterungsunabhängig mit weit empfindlicheren Skulpturen und Exponaten belegt werden. Der Innenhof wurde jetzt ein wichtiger Teil der Ausstellungsfläche geworden, den die Besucher jetzt in ihrem Rundgang genauso begehen und räumlich erleben können.

Auch für die Galerie-Oberlichter der Ausstellungsräume musste eine gänzlich neue Lösung entwickelt werden: Die prismatischen Oberlichter, die historisch mit Einscheiben-Drahtglas belegt waren, führten zu unkontrolliertem Lichteinfall und zu Überhitzungen im Sommer und Unterkühlungen im Winter: Die Überhitzung wurde im Sommer mittels Quer-Gebläse in einer Zwischenebene abgelüftet, im Winter wurde extrem zugeheizt. Anfang der 1990-er Jahre wurden diese Oberlichtkonstruktionen durch Kunststoff-Oberlichter ersetzt, die zwar etwas besser gedämmt waren, aber das thermische Problem und den ungehinderten Eintrag des direkten Lichtes mit hohen Wärmelasten nicht unterbinden konnten. So wurden sie durch übergebundene Verschattungsbahnen wieder permanent abgedeckt. Unsere Aufgabe bestand darin, neue Oberlichter zu entwickeln, die in besonders einfacher Form und Konstruktion diese Funktionen in einem preislichen Rahmen erfüllen konnte. Wir entwickelten hierfür neue kombinierte shed-ähnliche Oberlichtkonstruktionen, die nur indirektes Tageslicht, dafür aber maximal zur Belichtung hereinlassen sollten, zusätzlich eine komplette, auch abschnittsweise Verdunkelung zulassen sollten, eine RWA-Öffnung als Entrauchung im Brandfall garantieren sollten und zusätzlich die Montage von Photovoltaikmodulen ermöglichen sollten. Diese Quadratur gelang, und in Zusammenarbeit mit dem Lichtplanungsbüro aurelia design wurde diese Konstruktion im Tageslichtbereich optimiert.

In weiteren Bauabschnitten wird das Denkmal im Bestand saniert.
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